Seit Anfang der 90er-Jahre ist er in der einen oder anderen Weise beim heutigen FC Rafzerfeld involviert. Der Verein, dessen Philosophie und insbesondere der Nachwuchs sind Platzwart Heinz Meister über die Jahre ans Herz gewachsen. Unterdessen platzt der Fussballclub aus allen Nähten. Mädchenteams gewinnen an Bedeutung. Viele Kinder würden gerne dem Verein beitreten. Die Infrastruktur von 1991 brauche deshalb dringend eine Überholung sowie einen Ausbau.
Clubleben als Ausgleich zur Arbeit
«Ich bin allergisch auf Tierhaare, insbesondere auf solche von Pferden und Katzen. Als gelernter Landwirt hält man sich logischerweise stets in solch einem Umfeld auf. Nicht die besten Voraussetzungen», erzählt der 63-jährige Heinz Meister im Gespräch mit dem «Bock». Ihm sei deshalb nahegelegt worden, sich umzuschulen. Als ihm, als junger Familienvater, der Job über den Kopf wuchs, setzte er diesen Ratschlag in die Tat um und liess sich zum Grenzwächter ausbilden. «Damit konnte ich sozusagen nochmals neu beginnen.» Und wie es das Schicksal so will, läuft ihm zwischen zwei Fotospots für diesen Beitrag, nach längerer Zeit ein alter Bekannter, aus Zoll- und Sportzeiten über den Weg.
Mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder spielte er schon als Kind Fussball. Er war zudem Mitglied des SC Schwyz. Dem FC Rafz, welcher sich bis zur Fusion 2003 mit dem FC Hüntwangen in Rafz befand, wollte Meister unbedingt als Ausgleich zum Beruf, als Grenzwächter, beitreten. 1991, kaum im Club dabei, half er bei der Platzeinweihung mit Zeltaufstellen mit. Rund drei Jahre später übertrug ihm der Vereinspräsident die Verantwortung über die Schülerturniere – die Lehrerschaft war nicht mehr bereit, diese durchzuführen. Diese Tagesturniere organisierte er zehn Jahre lang. Am Anfang sei alles noch ganz simpel gewesen. Zum Beispiel habe es nur handschriftliche Spielpläne gegeben. «Ich besuchte Schulklassen im Rafzerfeld, um zu erklären, dass das Turnier allen Kindern offensteht: «Ist ja klar, man wollte nur Schulkolleginnen und -kollegen mit Fussballkenntnissen im Team haben. Aber es sollte eine Möglichkeit für alle sein», erinnert sich Meister zurück. Das Turnier bestehe heute weiterhin, nur die Anzahl der Teams habe abgenommen. Die Lehrkräfte würden die Kinder nicht mehr so wie damals dafür motivieren. «Das ist schade, denn das lag mir sehr am Herzen.»
Heinz Meister war J+S-Coach, Juniorenobmann und dreissig Jahre lang Fussballtrainer. Zuerst für C-, dann B- und A-Junioren, danach für D-, E- und F-Junioren. «In den letzten sechs Jahren trainierte ich die G-Junioren. Dieses Buch mit Erinnerungsbildern haben sie mir zum Abschied geschenkt», erklärt Meister strahlend und klappt das Andenken auf. Wenn die Kids ein Tor geschossen haben, dann entlockte er seiner Kuhglocke Klänge von Bergen, Wiesen und Seen. Diese habe er einst vom Lehrbetrieb erhalten und erinnere ihn stets an seinen Bezug zur Landwirtschaft.
Der Platz reicht nicht mehr aus
Heinz Meister holt etwas aus seiner Tasche heraus, das einem Panini-Büchlein gleicht. Darin sind Aufkleber von heimischen Spielerinnen und Spielern zu sehen: «Das haben wir zum 20-jährigen Bestehen des Vereins gemacht. Es sieht verknittert aus, weil ich damit auf Werbetour ging. Dabei stellten die Leute immer verwundert fest, dass wir fast 100 Mädchen im Club haben.» Das grosse Interesse beider Geschlechter führe dazu, dass die Kapazitäten erschöpft seien. Die Mädchen könnten beispielsweise nur am Nachmittag spielen. In Rafz und Hüntwangen bestehen je vier Garderoben, welche für paralleles Spielen nicht genügen würden. Der geplante Kunstrasenplatz ermögliche, am Anfang und Ende der Saison draussen spielen zu können. «Zu Beginn der Saison ist man oft gezwungen, den Platz wegen Nässe zu sperren. Solche Massnahmen verschieben Spiele auf Wochentage, welche wiederum Trainingsstunden verhindern. Wird das Spiel durchgeboxt, schadet es dem Naturrasenplatz und die Spieler haben durchnässte Füsse.» Erneuerungen und Beleuchtungen, wie auch die zwei Kunstrasen-Kleinspielfelder, könnten zukünftig für zusätzliche Einnahmen, etwa durch die Vermietung an Geburtstagen, sorgen.
Hohe Zustimmungswerte für das Projekt
Die Baukosten werden auf 6 313 000 Franken geschätzt. Nach Abzug der Eigenmittel und -leistungen, über insgesamt 620 000 Franken, sowie Sponsoring und Beiträge aus dem Swisslos Sportfonds Kanton Zürich, bleiben 4 493 000 Franken übrig, welche von den fünf Gemeinden des Rafzerfelds zu tragen sind. Dazu wurde der «Pro-Kopf-Schlüssel», unter Berücksichtigung der Clubmitglieder pro Ort, angewandt. Eglisau übernimmt dementsprechend mit 1 924 000 Franken den grössten Betrag, gefolgt von Rafz, Wil, Hüntwangen und Wasterkingen.
Die Bevölkerung wie auch die Gemeinden würden das zur Abstimmung stehende Projekt befürworten, für Letztere dürfe es einfach «nichts» kosten. Er begreife, dass gespart werden müsse. Diese Investition komme aber der Jugend wie auch Integrationsarbeit zugute. Da in den vergangenen beiden Jahren kein wirklicher Dialog zustande gekommen sei, sahen sie nur den demokratischen Weg der Einzelinitiativen. Wenn die Auszählungen in den Gemeinden ein Nein ergeben würden, wäre das aus seiner Sicht kein Sieg für die Gegner. Das Projekt müsste dann in Tranchen umgesetzt werden und führe eher zu höheren Kosten, hält der Hüntwanger Platzwart fest: «Wir sind bereits von unserem ursprünglichen Vorhaben, alles in Hüntwangen an einem Ort zu zentralisieren, abgewichen, um den Endbetrag nach unten zu drücken.»
